Kunst und Erinnerung: „Gütersloher Stolpersteine“ an die Stadt übergeben
Barbara Remmerts Kunstwerk „Gütersloher Stolpersteine“ und ihre Aufzeichnungen „Dialoge mit Straßenpassanten“ wurden am 1. Oktober 2026 um 15 Uhr in der Stadthalle Gütersloh an Bürgermeister Matthias Trepper übergeben. Er nahm die Arbeiten offiziell für die Stadt entgegen. Der Fachbereich Kultur hatte interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Übergabe in das zweite Obergeschoss an der Friedrichstraße 10 eingeladen.
Die im September 2022 verstorbene Künstlerin hatte sich intensiv mit der Gütersloher Geschichte auseinandergesetzt. Kniend auf den Bürgersteigen übertrug sie mit der Frottage-Technik Oberflächen und Inschriften der Stolpersteine auf Papier. Damit holte sie die in den Boden eingelassenen Erinnerungszeichen auf Augenhöhe und verlieh ihnen einen „Bild-Wert“, wie sie es selbst nannte. Gespräche, die währenddessen mit Passantinnen und Passanten entstanden, hielt sie in ihren „Dialogen mit Straßenpassanten“ fest. Diese ergänzen die Kunstwerke um persönliche Perspektiven auf Erinnerung im öffentlichen Raum.
Den Anstoß zu ihren Arbeiten zur Shoah hatte ein Besuch in Israel und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegeben: Unter den in Fels eingemeißelten Städtenamen hatte Remmert auch Gütersloh entdeckt. Ihre Arbeiten entstanden 70 Jahre nach der Reichspogromnacht. Zu ihren Arbeiten gehörten auch zwei Monotypien mit Felsstrukturen der Gedenkstätte, die bereits für die Stadt erworben worden waren.
Remmerts „politisch aufmerksame Kunst“ fordert dazu auf, genau hinzusehen, Spuren nationalsozialistischer Verfolgung im eigenen Lebensumfeld wahrzunehmen und die Erinnerung an die betroffenen Menschen wachzuhalten. Die übergebenen Arbeiten sind im Flur des Fachbereichs Kultur zu sehen. Dort fanden sie einen Platz, der Remmerts langjährigem Wunsch entsprach, sie an einem geeigneten Ort zu zeigen. Die öffentliche Übergabe bot Gelegenheit, ihr Werk und ihren Beitrag zur Gütersloher Erinnerungskultur gemeinsam zu würdigen.
Wer die Künstlerin selbst hören und sehen möchte, findet ihre Beiträge in der Aufzeichnung von „Lesen gegen das Vergessen“ 2020: Die „Dialoge mit Passanten“ beginnen bei 26:22 Minuten, ihre Gedichte bei 39:36 Minuten.



