Jahreausstellung im Gütersloher Standesamt

Das Gütersloher Standesamt, in der Kirchstraße 21, ist schon seit langer Zeit ein Ort der jährlich wechselnden Ausstellungen. Gütersloher Künstler*innen zeigen hier ihre Werke.

Bewerben können sich dabei alle Künstler*innen aus dem Kreis Gütersloh, die in ihren Werken eine positive Stimmung und ein angenehmes Ambiente vermitteln. Die Werke sollen den Paaren und den Hochzeitsgästen ihren schönsten Moment des Lebens positiv beeinflussen und für eine schöne Erinnerung sorgen.

Werke, die Themen wie Gewalt, Tod, Krieg oder auch religiöse Bildnisse, Küsse oder Akte beinhalten, sind für die Ausstellung im Standesamt leider nicht gut geeignet. Es können rund 10 Arbeiten im Trausaal und der weiteren Räume im Standesamt präsentiert werden, die konkrete Anzahl ist allerdings abhängig von der Größe der Werke.

Der Ausstellungszeitraum beginnt Mitte Mai zur „Langenachtderkunst“ und geht 1 Jahr lang.

Jahresausstellung 2022/2023

„Positives Licht auf unserer Wirklichkeit“

Nah am Geschehen: Brautpaare können im Trauzimmer im Haus Kirchstraße 21 ihren Blick in den nächsten Monaten direkt auf eine weitere Hochzeitsgesellschaft richten. Die Gemälde hinter dem Trautisch stammen von der in der Nachbarstadt Halle ansässigen Künstlerin Katrin Boidol. Sie ist bei der jährlichen Ausschreibung der interdisziplinären Jury ausgewählt worden, die Reihe „Kunst im Standesamt“ zu bestücken. Die 1952 in Bielefeld geborene Künstlerin malt vornehmlich auf Leinwand, mit Öl- und Acrylfarben.

„Auch in diesem Jahr ist das Standesamt ein weiterer Ausstellungsort für Gütersloher Kunst,“ sagt Fachbereichsleitung Lena Jeckel. „Das Standesamt ist ein Ort, an dem Menschen normalerweise aufgeregt und in freudiger Erwartung eine gemeinsame Zukunft beginnen. Daher hat Katrin Boidol aus ihren Serien Bilder gewählt, die ein positives Licht auf unsere Wirklichkeit werfen, von innen her leuchten und den Räumen eine freundliche Atmosphäre geben. So ist die Ausstellung als eine visuelle Begleitung und Unterstützung der Arbeit des Standesamtes konzipiert.“

Den Kern der Ausstellung bilden zwei Werke mit dem Titel „Hochzeit“. Diese ergänzen sich in ihrer Darstellung und auch Positionierung direkt hinter dem Trautisch. Thematisch spannt Katrin Boidol mit Ihrer Auswahl einen Bogen von Menschendarstellungen über Landschaftsansichten bis zu Naturstudien, aber auch das städtische und alltägliche Leben wird durch Abbildungen des Einkaufens in der Fußgängerzone oder dem Feierabendverkehr gezeigt. „Die Ausstellung betont dadurch nicht nur thematisch die vielfältigen Möglichkeiten des Erlebens und der starken Kooperationen zwischen Institutionen und Kultur,“ so Lena Jeckel weiter.

Jahresausstellung 2021/2022

„Quilt und Bild“ im Trauzimmer

Die in Isselhorst ansässige Künstlerin Birthe Stumpenhausen ist bei der jährlichen Ausschreibung des städtischen Fachbereichs Kultur von der Kölner Kuratorin Birgit Laskowski und der Jury ausgewählt worden, die Räume des Standesamtes an der Kirchstraße 21 temporär bis zum Frühling 2022 für eine Präsentation ihrer Werke zu nutzen. „Quilt und Bild“ titelt aktuell das duale Konzept, das generationsübergreifend die kunstvoll gefertigten Patchwork-Kreationen der verstorbenen Mutter Gisela (1943-2018) sowie die abstrakten Bilder der Tochter Birthe vereint und der Öffentlichkeit zugängig macht.

Die großformatigen Ausschmückungen der beiden kreativen Frauen bieten den Paaren seit Mai einen optimalen Hintergrund für die Hochzeitszeremonie, ebenso für die anschließenden Fotosessions im Ambiente des Trauzimmers. Die Präsentation der Ausstellung hat der Fachbereich Kultur bewusst unter dem Motto „Kultursommer Gütersloh“ – Themenbereich „Kunst überall“ – stattfinden lassen. Das Standesamt bietet so mit seinem hohen Hygiene- und Sicherheitskonzept auch in Zeiten der Pandemie als Corona-konforme Begegnungsmöglichkeiten und übt gleichzeitig eine Galerie-Funktion aus.

„Pinsel, Lappen und Schwämme“, so klassifiziert Birthe Stumpenhausen die Werkzeuge, mit denen sie bei ihren eigenen Bildern durch die Art des Auftrags die leuchtenden Farben inszeniert. Sie trägt aktiv Schicht um Schicht auf, haucht ihren Gemälden „manchmal jahrelang“ spürbare Individualität ein. Mit diesen Worten philosophiert die Künstlerin über ihre Arbeiten, die in ihrem Atelier-Haus im Ortsteil Isselhorst entstehen. Unter der Adresse: „In den Braken 39“ hat sie einen Wirkkreis eingerichtet, der es ihr sogar erlaubt, Interessierten ein möbliertes Wohnen in kreativer Umgebung anzubieten. Nicht nur die Innenarchitektur ist ein Steckenpferd der Absolventin der ‚Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft‘ in Alfter bei Bonn, die im Übrigen die Eis- und Kaffeetheke der Firma Schenke im Bahnhof Gütersloh designt hat. Birthe Stumpenhausen ist auch eine ausgebildete Kunsttherapeutin, sie doziert an der heimischen Volkshochschule und betreut den Wertkreis, eine Dienst- und Hilfsorganisation für Menschen mit Handicap, und sie ist auch mit dem Atelier auf dem ökologischen Kiebitzhof vernetzt.

Nach dem Tod ihrer Mutter Gisela, die als Schneidermeisterin ihren Lebensmittelpunkt in Syke bei Bremen hatte, erspähte Tochter Birthe im kreativen Schaffen der beiden, dass zwei unterschiedliche Personen zusammenkommen und eine Verbindung fürs Leben schaffen. „Sogar beim Hängen der Bilder habe ich gespürt, dass wir uns immer wieder begegnen“, erklärt die nächste Generation, die Parallelen feststellt, aber den schöpferischen Ausdruck durchaus anders definiert. Bei der generationsübergreifenden Exhibition im Trauzimmer steht die Verwendung von Farben und Formen im Vordergrund. Der Quilt, eine textile Handarbeitstechnik, war bereits im Altertum in Ägypten weit verbreitet und gelangte über Indien im 17. Jahrhundert nach England. Durch die Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert wanderte die Stepptechnik von Europa nach Nordamerika. „Eine heiratsfähige Frau sollte damals 13 handgenähte Quilt-Bettdecken besitzen“, bestätigte Birthe Stumpenhausen, die den Revival-Hype, der in den 1970er-Jahren ganz Europa erfasste und ihre Mutter zu sichtbaren Pionier- und Meisterleistungen antrieb, die neomodern entwickelte Sprache des Patchworks.

Vergangene Ausstellungen

2006: Karin Puce

2007: Katharina Wolf

2008: Anita Mund

Monika Geißler (Gütersloh)

2009: Dirk Frankrone

Detlef Franke

2010: Wilfried Weihrauch

2011: Kriemhild Randt

Katharina Wolf

2012: Pedro Barrocal

Serpil Neuhaus

2013: Wolfgang Meluhn

2014: Doris Kretschmer

2015: ?

2016: Maren Sagemüller

Lore Liebelt

2017: Karin Wolf

Christel Grundke

2018: Heinz Schößler

Gisela Dziock

2019: Steffi Scharf

2020: Steffi Scharf

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