Lesen gegen das Vergessen

In Zusammenarbeit mit Kommunikationstrainerin und Stimmcoach Almuth Wessel hat der Fachbereich Kultur das Veranstaltungsformat „Lesen gegen das Vergessen“ entwickelt und seit 2019 erfolgreich durchgeführt.

Verschiedenste Themenschwerpunkte und Lesende vereint bei dieser Veranstaltung immer eines – die Wachhaltung und Ermahnung die schreklichen Ereignisse des Nationalsozialismus nie zu vergessen!

Lesen gegen das Vergessen 2022

Ein besonderer Leseabend mit aktuellen Bezügen und Erinnerung an die Bücherverbrennungen 1933.

„Lesen gegen das Vergessen“ ist ein wichtiger Bestandteil der städtischen Erinnerungskultur. 2019 von der Journalistin Almuth Wessel ins Leben gerufen, sollte diese Reihe an die Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten im Mai 1933 erinnern. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine war jedoch der Blickpunkt auch auf die aktuelle Situation gerichtet. Ein Zeichen zu setzen gegen Hass, Ausgrenzung, Verfolgung und Drangsalierung, aber auch an Flucht oder Angst zu erinnern, war das Ziel des diesjährigen, von Sigmund Bothmann an der Orgel untermalten Leseabends in der Martin-Luther-Kirche.

Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung am Freitagabend standen deshalb Berichte von Zeitzeugen mit ähnlichen Schicksalen, wie sie heute die Menschen im Osten Europas erleiden müssen. Duglore Döbler, selbst ein Flüchtlingskind, das seine Heimat im heutigen Tschechien am Ende des Zweiten Weltkriegs verlassen musste, begann mit eigenen Erlebnissen aus ihrer Kindheit. Dabei berichtet die Autorin über ihre erste kindliche Liebe zum jüdischen Nachbarjungen Abraham Schön, dessen Schicksal im Holocaust und über den Hass der Roma Friderieke auf ihren Verräter aus der SA und wie sie ihn überwinden konnte.

Die Tagebücher von Anne Frank, des späteren Abgeordneten der DDR-Volkskammer Victor Klemperer und der Schriftstellerin, Politikerin und Frauenrechtlerin Anna Haag bildeten das Herz der diesjährigen Lesung. Barbara Best, Volker Schiewer und Almuth Wessel betrachten in diesen Kriegsaufzeichnungen das Leben in einer ungewissen Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei werden Erfahrungen und Schicksale von gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen lebendig, die einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt sind. Steht in den Abschnitten aus dem Oktober 1942 noch die Frage des Überlebens im Vordergrund, so wächst zunächst die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende nach der Invasion der alliierten Truppen in der Normandie, weicht aber bald der Skepsis über ein nahes Kriegsende nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler im Juli 1944.

Zwei Erzählungen von Fyodor Dostoyevsky, in denen er seine Weltanschauung der Güte und des Mitleides verdichtet hat, ergänzen das Leseprogramm. Ludger Funke vom „Forum Russische Kultur“ gelingt es dabei dank seiner ausdrucksstarken Betonung, die Zuhörer mit den Zitaten aus „Traum eines lächerlichen Menschen“ anzurühren. Bis zum Schlussakkord, den Almuth Wessel mit einem Text der Ukrainerin Rosa Marusenko setzt: „Hinter den Feldern fliegen die Kugeln über den Köpfen,“ zitiert sie aus deren Gedicht „Kriegslandschaft 2022“.

Lesen gegen das Vergessen 2021

Gütersloher (Glaubens-)Gemeinschaften präsentieren das Lesen gegen das Vergessen 2021

Im Jahr 2021 findet zum dritten Mal am Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai die Aktion „Lesen gegen das Vergessen“ statt. Der Beitrag zur Erinnerungskultur wurde vom Fachbereich Kultur der Stadt Gütersloh in Kooperation mit Initiatorin Almuth Wessel sowie der Gütersloher Volkshochschule und der Stadtbibliothek organisiert. Da es Coronabedingt keine Live-Veranstaltung geben konnte, wurde die Lesung in der Martin-Luther-Kirche aufgezeichnet.

Die Lesung stand unter dem Motto „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Engagierte Bürgerinnen und Bürger traten vor das Mikrofon, um an verbrannte und verfemte Autoren und Autorinnen zu erinnern. Das Anliegen der Lesenden war es, die Erinnerung an eine lange jüdische Kulturtradition zu beleben, die ungeheuer befruchtend auf das gesellschaftliche Leben in Deutschland gewirkt hat. Jedoch immer wieder verstellt wird durch die Erinnerung an die Reichspogromnacht und die Shoah.

Zu Gehör kamen deshalb nicht nur Texte aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern etwa auch Heinrich Heine, der in seinem Romanfragment „Der Rabbi von Bacharach“ einen Kontrapunkt setzt zu der von den Romantikern heraufbeschworenen Rheinidylle. Daneben fand sich der Auszug aus einer der ältesten Autobiografien: Die Händlerin Glickel von Hameln schrieb ihre Lebenserinnerungen im 17. Jahrhundert für ihre Enkelkinder ursprünglich auf Jiddisch. Das Buch wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Begründerin der jüdischen Frauenverbände, Bertha von Pappenheim, ins Hochdeutsche übersetzt. Lion Feuchtwanger wiederum beschrieb in seinem Roman „Jud Süß“ die Situation der Juden im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde mit einem Text der jüdischen Bloggerin Juna Grossmann der Bogen jüdischer Kultur in Deutschland bis ins 21. Jahrhundert geschlagen.

Zu der Lesung hatte sich eine große Bandbreite von auch jugendlichen Vertreterinnen und Vertretern der in Gütersloh ansässigen (religiösen) Gemeinschaften für die Vorträge zusammengefunden: die Evangelische Kirchengemeinde, der Pastorale Raum, das Islamische Zentrum, die Aramäische und Jesidische Gemeinde, sowie die jüdische Kultusgemeinde Bielefeld, welche auch für Gemeindemitglieder in Gütersloh zuständig ist. Die Aktion wurde musikalisch begleitet und unterstützt von Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann.

Am 10. und 11. Mai wurden zudem erstmalig mit Motiven des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben“ das Rathaus, die Stadthalle sowie Gebäude weiterer beteiligter Institutionen beflaggt. Dies ist eine Aktion der Initiative „Kölner 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ mit Unterstützung des Deutschen Städtetags. Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Festjahrs werden in den kommenden Monaten folgen und vom Fachbereich Kultur begleitet.

Lesen gegen das Vergessen 2020

Ein Podcast während Corona

Im Jahr 2020 hätte die Veranstaltung am 9. Mai in der Martin-Luther-Kirche stattgefunden. Aufgrund der damaligen Corona-Situation wurde entschieden, dass die Veranstaltung als Podcast durchgeführt wird. So konnten ab dem 9.05.2020 die verschiedenen Beiträge abgerufen werden.

Nachdem im letzten Jahr Ratsvertreter ausgewählte Texte gelesen haben, werden es in diesem Jahr unterschiedliche Menschen der Stadtgesellschaft sein, die vornehmlich Texte aus dem Bereich Jugendliteratur lesen.

Lesen gegen das Vergessen 2019

Erste Veranstaltung – Ratsmitglieder lesen

Im Jahr 2019 fand „Lesen gegen das Vergessen“ am Samstag, 11. Mai erstmalig in der Martin-Luther-Kirche, zur Erinnerung an den Tag der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, statt. Ratsmitglieder aus allen Fraktionen traten dabei vor das Mikrofon.

Hi,
ich bin Kulturi wenn du etwas über mich erfahren möchtest, klicke mich einfach an.

Kulturi Comicfigur
— zum Seitenanfang