Stadtbesetzung 2022

Bereits zum dritten Mal konnte der städtische Fachbereich Kultur seine Aktionsreihe „Kunst am Roten Teppich“ im Rahmen der Stadtbesetzung durchführen.

1. #DAUSTAUNSTEBAUKLOETZE - DisCover mit Garvin Dickhof

Ein Hingucker: „Güths Mariechen“ eingehüllt in fast 7000 Holzklötzchen

Plötzlich werden sie wieder erzählt, die alten Geschichten über Güterslohs berühmteste Marktfrau – Maria Güth (1874 – 1952). Die im Kontakt mit den Kunden unverblümt und mit großer Klappe loslegte, für markige Sprüche gut war. Ein „Original“, wie man so sagt. Der Rietberger Künstler Wilfried Koch hat „Güths Mariechen“ einst in Bronze gießen lassen, und das Modehaus Klingenthal sorgte vor gut 30 Jahren dafür, dass das Denkmal in der zweiten Reihe des Kolbeplatzes aufgestellt werden konnte. „Das ist die Mutter meiner Mutter“, ruft Christel Kabitzki spontan im Vorbeigehen aus und wirft gleich eine nicht druckfähige Anekdote hinterher. „Das war eine ganz Schlimme, hat mein Schwiegervater immer gesagt“, ergänzt eine andere ältere Passantin, die stehengeblieben ist, um die Verwandlung der Skulptur zu verfolgen, die gerade im Gange ist: Aus fast 7000 kleinen, hellen Buchenholzklötzchen baut Garvin Dickhof, Designer und Kulturpädagoge, „Güths Mariechen“ ein neues „Kleid“.

Die Hülle aus Klötzchen, die Dickhof, den Formen der Skulptur folgend, rundherum aufschichtet, erinnert an einen Bienenkorb oder Termitenhügel, beinahe auch an ein neues Stück Architektur von Frank Gehry oder Antoni Gaudi. Fünf Stunden dauert es, bis Dickhof sein Werk vollendet hat, das er „DisCover“ nennt. Für die Aktion erntet der Designer aus Viersen manches Kopfschütteln, aber noch öfter zustimmendes Lächeln in den Gesichtern der vorbeiflanierenden Stadtbesucher, die von einem roten Teppich zum Kunstwerk hingeführt werden. Hier ist der Name Programm, denn die Aktion findet im Rahmen der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ des Fachbereichs Kultur der Stadt Gütersloh statt, gefördert vom Kultursekretariat NRW Gütersloh.

Ihr Ziel hat Garvin Dickhofs Aktion in jedem Fall erreicht: die Existenz der Skulpturen im öffentlichen Raum wieder einmal in den Blick zu rücken. Denn das Denkmal auf dem Kolbeplatz teilt das Schicksal vieler öffentlicher Kunstwerke: Sie werden auf Dauer eins mit ihrem Hintergrund, verschwinden förmlich, werden kaum noch wahrgenommen. Mit seinem Eingriff in den optischen Raum hebt Garvin Dickhof „Güths Mariechen“ zurück ins Bewusstsein, wenn auch nur für ein paar Stunden. Dauerhafter hingegen ist seine Arbeit im Gütersloher Riegerpark angelegt. Dort wurde im vorigen Jahr die Bronzeskulptur „Aufbruch“ des Künstlers Heiner Ameling aus Verl gestohlen, die zuvor auch einige Jahre vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin stand. Dickhofs Verpackung des verbliebenen Betonsockels mit verklebten Hölzchen erinnert einerseits an das verschwundene Werk, empfindet aber auch seine Form im Raum nach – und kann heute wieder von Menschen imaginiert werden.

2. "Anna Melperts vermisst die Welt"

Wenn du lernst die Welt zu vermessen, dann stehst du auch mit der Verantwortung für die Welt da… Irgendwie.

Anna Melperts  ist Landvermesserin. Sie erscheint mit ihrem Fahrrad samt Anhänger auf dem zugewiesenen Gelände, um ihren Auftrag gewissenhaft auszuführen. Denn wie so oft hat sie einen behördlichen Auftrag, den sie korrekt ausführen wird. Auf ihre Daten, ihre aufgestellten Feldmarktafeln  kann man sich verlassen. Ihr Auto hat sie schon lange abgeschafft. Sie kommt mit ihren Arbeitsgeräten auch so von A nach B.

Wer von Ihren Auftraggebern weiß schon, dass sie die Welt nicht nur mit Nivelliergerät, Messlatte und Feldbuch akribisch vermisst sondern auch mit ihren eigenen Sinnen, ihrem eigenwilligen Kopf. Anna Melperts sammelt  nicht nur Daten und Fakten, sie sammelt auch Pflanzen, Schneckenhäuser und Lyrik. Sie erzählt von Harpedonapten, von Triangulationsaugen, stellt die Kartografie auf den Kopf.

Bald wird sie aufhören die Welt zu vermessen und anfangen sie immer stärker zu vermissen – heute ist ihr letzter Arbeitstag.

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Kulturi Comicfigur
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